Forschung

Zuckerrüben

Krankheiten

Zikaden im Anflug

Wenn Zikaden an Zuckerrüben saugen, können sie bakterielle Erreger übertragen. KWS testet neue, robuste Sorten.

Seit einigen Jahren breiten sich die Krankheiten SBR und RTD in einigen Regionen Europas aus und stellen den Zuckerrübenanbau vor Herausforderungen. Bei KWS arbeiten Züchtung, Phytopathologie, Züchtungsstationen und Agroservice Hand in Hand, um Lösungen zu entwickeln.

Zwei unterschiedliche bakterielle Erreger sind die Verursacher von SBR (Syndrome Basses Richesses, „Syndrom der niedrigen Zuckergehalte“) und RTD (Rubbery Taproot Disease, „Gummirübenkrankheit“). Sie werden von Zikaden übertragen. Neben Zuckerrüben können auch andere Kulturen, insbesondere Kartoffeln, sowie einige Gemüsearten befallen werden.

Zikaden, in Deutschland und Westeuropa die Schilf-Glasflügelzikade, fliegen von Ende Mai bis Ende Juli in die Zuckerrübenfelder, saugen an den Pflanzen und übertragen die Erreger. Ab Mitte August werden die Krankheitssymptome sichtbar: SBR-befallene Pflanzen zeigen vergilbte Blätter und deutlich reduzierte Zuckergehalte, daher der Name der Krankheit. Bei RTD vergilben die Blätter und sterben ab. Zudem entziehen die Bakterien der Rübe Wasser, wodurch der Rübenkörper gummiartig wird. Als Folge des Befalls sinken die Erträge deutlich: Die Lagerfähigkeit sowie die Verarbeitung in der Zuckerfabrik werden enorm beeinträchtigt. Im Gegensatz zu Deutschland überträgt in Südosteuropa die Pfriemen-Glasflügelzikade die Bakterien, wodurch dort hauptsächlich die RTD-Krankheit auftritt. Insgesamt sind in Europa etwa 150.000 Hektar Anbaufläche betroffen, die Krankheit breitet sich weiter aus.

Verbreitung von SBR und RTD in Europa

Züchtung toleranter Sorten

Bei KWS hat die Züchtung neuer, robuster Sorten, die auch bei Krankheitsbefall hohe Erträge erzielen können, aktuell höchste Priorität. SBR ist erst seit wenigen Jahren großflächig verbreitet, sodass eine intensive Versuchstätigkeit erst seit Kurzem möglich ist. Der Erreger von RTD ist sogar erst seit wenigen Jahren bekannt. Daher hat KWS in den letzten Jahren Testkapazitäten aufgebaut und Investitionen in die entsprechenden Züchtungsprogramme deutlich erhöht. In diesem Jahr haben wir bereits mehrere Tausend Genotypen in Feldversuchen auf Toleranz gegenüber SBR und RTD getestet. Zudem wurden die internen Leistungsprüfungen auf über 10.000 Parzellen an Standorten in Hochbefallsgebieten ausgeweitet. Dank dieser Bemühungen stehen heute mit MARABELLA KWS und JOSEPHINA KWS bereits erste robuste Sorten für SBR zur Verfügung, die auch unter Befall hohe Erträge liefern.

Neben der Züchtung toleranter Sorten braucht es auch agronomische Ansätze, um den Krankheitskomplex langfristig zu kontrollieren. Der Lebenszyklus der Zikade ist auf den Winterweizen als typische Folgefrucht der Zuckerrübe angepasst. Dadurch können die Nachkommen der Zikade den Lebenszyklus im Winterweizen über die Wintermonate fortsetzen und im Folgejahr aus dem Weizen in neue Zuckerrübenfelder einfliegen. Kurzfristig kann eine angepasste Fruchtfolge den Lebenszyklus unterbrechen. Da die Zuckerrüben-Winterweizen-Fruchtfolge jedoch wirtschaftlich attraktiv ist, wird in Feldversuchen untersucht, ob sich der Lebenszyklus der Zikaden mithilfe biologischer und synthetischer Saatgutbeizen beim Winterweizen unterbrechen lässt.

SBR-Befall minimiert den Zuckergehalt und lässt die Blätter vergilben.

Bei RTD-Befall werden Zuckerrüben weich wie Gummi – die Rübe verliert ihre typische Festigkeit.

Flugzeit als Schlüssel

Bei etablierten Krankheiten wissen Landwirtinnen und Landwirte, wann agronomische Kontrollmaßnahmen erforderlich sind. SBR und RTD sind jedoch verhältnismäßig junge Krankheitskomplexe, daher fehlt dieses Wissen noch. Um neue Insektizidstrategien zu entwickeln, untersuchen wir die Interaktion zwischen Pflanze und Zikade systematisch: In Feldversuchen verschließen wir Parzellen vor Beginn des Zikadenflugs mit Netzen, um eine Infektion zu verhindern. Während der Flugphase öffnen wir einzelne Netze temporär für definierte Zeiträume. So ermitteln wir, in welcher Phase die Zikaden die stärksten Ertragsverluste verursachen, und ermöglichen, dass Bekämpfungsmaßnahmen gezielt und wirksam eingesetzt werden.

Bereits jetzt bietet KWS ein breites Informationsportfolio, um erste Erkenntnisse aus den Versuchen zu teilen. Gemäß unserer Strategie #YourSeedPartner stehen wir so an der Seite der Landwirtinnen und Landwirte, um diese Herausforderung gemeinsam zu meistern. |


© KWS SAAT SE & Co. KGaA 2025