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Nachruf

Nachruf

Zum Gedenken an Christoph-Johannes Bolik

Im September haben wir Abschied von unserem langjährigen Stationsleiter und Geschäftsführer der KWS Italia genommen. Weggefährten erinnern sich.

Als Christoph-Johannes Bolik 2010 in den Ruhestand ging, blickte er auf eine ereignisreiche Karriere bei KWS zurück: Der Diplom-Agrarwissenschaftler kam 1971 nach Einbeck und begann seine Arbeit am KWS Institut für Pflanzenzüchtung, dem Vorläufer der heutigen Forschung und Entwicklung. Die Anreise gestaltete sich abenteuerlich, erinnerte er sich in einem Interview in der KWSintern: „Nicht wissend, wo Einbeck überhaupt liegt, kaufte ich erst einmal eine Fahrkarte nach Einfeld kurz vor Neumünster.“

Gut angekommen ist er in Einbeck dann trotzdem und arbeitete fortan im Einsatz für KWS viel international, bevor er 1989 die Leitung der Auslandsabwicklungen des Instituts übernahm. Selbst in die Karibik führte ihn sein Weg, wo er von KWS ausgeliehen als Züchter in der Entwicklungshilfe tätig war. Eine Tätigkeit, die ihn neben seinem Hauptberuf in den nächsten zwanzig Jahren nach Afrika, Asien und Südamerika führen sollte. „Ich bin nie ein Mensch gewesen, der sich irgendwo ein Nest einrichtet“, erzählte er.

Bau des BioTechnikum (BiT)

1992 übernahm Christoph-Johannes Bolik die Leitung aller Züchtungsstationen von KWS und promovierte 1994 in München. Ein besonderes Projekt in dieser Zeit: der Bau des modernen Forschungszentrums BioTechnikum (BiT). „Er hat es als Projektleiter geschafft, die Anforderungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, das Budget und unsere Corporate Identity unter einen Hut zu bringen“, erinnert sich Robert Heidhues, Head of Global R&D Business Functions.

1999 ging es für Christoph-Johannes Bolik dann nach Italien, als Leiter der Züchtungsstation Monselice. „Hier hat er ein Verfahren entwickelt, das wir bis heute in der Züchtungssaatgutproduktion nutzen“, so Robert Heidhues. „Wir hatten in der Vermehrung ein Problem: Durch eine frühere Blüte der Mutterpflanze hatte der Vater zur richtigen Zeit teilweise noch keinen Pollen – im schlimmsten Fall passierte dann eine Fremdeinstäubung. Herr Bolik hatte die Idee, einen Teil der jeweiligen Pollenspender zu den Müttern im Gewächshaus vorzuziehen. Dadurch haben sie einen Wachstumsvorsprung und bilden früher Pollen aus. Damit haben wir unsere Saatgutreinheit entschieden verbessert.“

Christoph-Johannes Bolik selbst beschrieb es so: „Italien, die Station in Monselice selbst und die Strukturen vor Ort waren für mich nicht fremd, und so machte es viel Spaß, als Leiter der Station neue Dinge aufzubauen.“

Sein aktueller Nachfolger in Italien, Alvaro Rodriguez Matta, Head of Breeding & Research Stations Region South Europe, wurde von ihm und seiner Frau damals herzlich willkommen geheißen. Obwohl Christoph-Johannes Bolik bereits im Ruhestand war, zeigte er Alvaro die Gegend, um ihm ein Gespür für Italien zu geben. Er hatte Alvaro zuvor selbst für ein neues Projekt in Chile eingestellt. „Die Idee für die kontrasaisonalen Aktivitäten in der Zuckerrübe kam von ihm, und er hat es geschafft, diese bei den Züchterinnen und Züchtern durchzusetzen“, so Alvaro. „Er war immer sehr nah dran an seinem Team, das war ihm wichtig.“

Bis 2024 kam Christoph-Johannes Bolik fast jedes Jahr noch einmal nach Italien, um in Monselice und bei seinem ehemaligen Team vorbeizuschauen. Wie er es selbst formulierte: „Dieser Job war mein Leben.“ |


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