Arbeit

Science Slam

Wissenschaft auf anschauliche Art: Eine parasitische Pflanze bedroht die Sonnenblume. Dennis Reckwell verglich sie mit Graf Dracula.

Sieger: Mit seinem Slam hat Dennis das Publikum überzeugt.

Science Slam

Inspiration auf der Bühne

Zum dritten Mal bot der KWS Science Slam Raum für spannende Projekte, neue Ideen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Ein Überraschungsvortrag sorgte außerdem für das gewisse Etwas.

Einbeck, 16 Uhr an einem Oktobernachmittag: Alle Augen sind im Audimax auf die Bühne gerichtet. Wer nicht vor Ort sein kann, schaltet sich per Teams dazu. Wieder konnten sich im Vorfeld alle für den KWS Science Slam bewerben, die spannende Ideen für einen Beitrag hatten ob aus der Forschung, dem Marketing oder anderen Bereichen.

Mit in das Krankenzimmer einer Zuckerrübe nahm uns Rim Gubaev, Scientist Traits & Genomics Sugarbeet & Cereals. Er erklärte, woher eigentlich der Krankheitserreger für RTD (Rubbery Taproot Disease, „Gummirübenkrankheit“) kommt. Zikaden funktionieren dabei wie ein Taxi und transportieren den Mikroorganismus von Pflanze zu Pflanze (mehr zu RTD in dieser Ausgabe). Das sogenannte Phytoplasma nistet sich in der Zuckerrübenpflanze ein und greift sie von innen an. Rim arbeitet daran, das Phytoplasma besser zu verstehen um ihm zukünftig den Weg zu unserer Zuckerrübe zu versperren.

Aus dem Labor ging es aufs Feld: Lukas Leese, Manager Technical Innovation & Support, erforschte mit uns den PUMA IV: Der Zuckerrübenroder geht in eine neue Generation. Dabei war Publikumseinsatz gefragt: Zusammen simulierten wir eine Rübe, die von der Parzelle geerntet und dann auf dem PUMA gewaschen, gewogen und untersucht wurde – zum Glück stoppte Lukas, bevor wir alle in den Häcksler weiterrutschen sollten. Wer wollte, konnte den PUMA auf dem Campus in Einbeck inspizieren. In seinem Inneren befindet sich eine Anlage, die Informationen direkt aus den Zuckerrüben entnehmen kann, ohne dass dafür ein Transport in ein Labor nötig ist – aber wir wollen hier nicht zu viel verraten: In dieser Ausgabe der KWSintern gibt es mehr Infos zum PUMA IV.

„Die Vorbereitung auf den Science Slam hat viel Spaß gemacht.“

Dennis Reckwell

Und dann wurde es auf der Bühne unheimlich: Dennis Reckwell – samt passendem Umhang erzählte von den Untaten des Grafen Orobancula. Dabei handelt es sich um die größte Bedrohung für Sonnenblumen in Europa, Nordafrika und China: die parasitische Blütenpflanze Sommerwurz (Orobanche cumana). Wie ein Vampir saugt sie die Sonnenblume aus, bis fast nichts mehr übrig ist. Selbst ein Pfahl durchs Blütenherz soll nicht helfen und Herbizide zeigen auch nur geringe Wirkung. Eine neue Lösung musste her in Form des Van Helianthus. Dieser furchtlose Vampirjäger entsteht aus den genetischen Ressourcen wilder Sonnenblumenarten. Mit Kreuzungen und Analysen ist Dennis’ Team aktuell auf der Suche nach passenden Resistenzgenen. Damit soll Van Helianthus bald zur Tat schreiten, um die Sonnenblumen vor Graf Orobancula zu schützen.

Alles in Butter? Um sich von den unheimlichen Taten des Grafen zu erholen, nahm uns Gina Wied, Head of Corporate Communcations, mit in die Welt der Idiome. Bei diesen Redewendungen geht es oft nicht um die wörtliche Bedeutung sondern den versteckten Sinn dahinter. Wer immer flüssiger in einer Fremdsprache spricht, stößt zwangsläufig auf gängige Redewendungen. Wie diese dann zu entschlüsseln sind, ist oft eine Herausforderung damit einem niemand einen Bären aufbindet. „To spill the beans“ (deutsch: die Bohnen verschütten) geht beispielsweise auf ein antikes griechisches Wahlsystem zurück, bei dem mit farbigen Bohnen eine Entscheidung getroffen wurde.

Die Teilnehmenden zeigten, wie vielfältig Wissenschaft ist – von Krankheiten bei Zuckerrüben über Redewendungen bis zu künstlicher Intelligenz.

Die Symbolik der Sonnenblume für die Ukraine erläuterte Nataliia Rybchenko. Die Pflanze ist eines der größten Exportprodukte des Landes.

Sonnenblumen: Teil der ukrainischen DNA

Zurück zu den Sonnenblumen ging es mit Nataliia Rybchenko, Product & Digital Marketing Manager. In ihrem Heimatland Ukraine zählt die Pflanze zu den profitabelsten Kulturarten und ist eines der größten Exportprodukte. Als Nataliia das erste Mal vom Science Slam hörte, dachte sie: „Das ist meine Chance, eine Geschichte zu erzählen, die bewegt.“

Daher brachte sie die von KWS Ukraine erstellte Dokumentation „Sunflower: Meanings That Seed the Future“ beim Science Slam auf die Bühne. Protagonistinnen und Protagonisten aus verschiedenen Bereichen erzählen von ihrer Verbindung zur Sonnenblume und warum sie ein starkes Symbol für die Ukraine ist. „Für manche ist die Sonnenblume nur eine Pflanze – für uns in der Ukraine ist sie Teil unserer DNA. Der Science Slam war die perfekte Bühne, um Zuhörerinnen und Zuhörer damit zu verbinden.“

Online zugeschaltet war Bjoern Oest Hansen, Senior Research Lead Data Science & Analytics, der über Agent(innen) sprach, die auf künstlicher Intelligenz (KI) beruhen. Wie wir die digitalen Helferinnen und Helfer perfekt nutzen und konfigurieren können, stand im Fokus: Wer es schafft, sich die verschiedenen Arten der Agent(innen) zunutze zu machen, spart im Arbeitsalltag viel Zeit. Denn diese können beispielsweise auch im Team miteinander agieren oder bestimmte Softwares nutzen, um an Aufgaben zu arbeiten. Die Möglichkeiten sind quasi endlos und Befürchtungen, dass die KI-Agent(innen) morgen die Weltherrschaft übernehmen, eher unbegründet, so Bjoern mit einem Zwinkern.

Bei so vielen spannenden Slams war die Wahl nicht einfach aber das Publikum kürte schließlich Dennis zum Sieger. „Ich hatte schon nach den letzten beiden Slams überlegt, mitzumachen“, erzählte er. „Ein Mystery Coffee hat dann den Ausschlag gegeben, und die Vorbereitung hat viel Spaß gemacht.“

Außerhalb der Konkurrenz lief der Gastvortrag von Max Koch von der Universität Göttingen, der in diesem Jahr mit einem wissenschaftlichen Paper über das Geräusch beim Öffnen einer Bierflasche bekannt wurde und das auch live demonstrierte. Ein Beispiel dafür, wie vielfältig die Themenauswahl bei einem Slam sein kann. |


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