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Porträt

Chiara De Lucchi

Vermittlerin zwischen Forschung und Feld

Seit Chiara De Lucchi vor acht Jahren zum Agroservice gekommen ist, arbeitet sie an CONVISO® SMART. Jetzt ist sie bereit für eine weitere Aufgabe: als Key-Account-Managerin für Zuckerrüben in Italien.

Carlo Pasti (Mitte) und sein Sohn Filippo testen gern neue Sorten. Auf ihrem Betrieb kann Chiara De Lucchi zeigen, wie sich Zuckerrüben im praktischen Feldanbau entwickeln.

Wenn Chiara De Lucchi heute die Anbauanleitung für CONVISO® SMART sieht, dann erinnert sie sich zurück an ein leeres, weißes Blatt. Acht Jahre ist es her, seit sie höchstpersönlich ebenjene Anleitung erarbeiten sollte – als eine ihrer ersten Aufgaben im internationalen Agroservice bei KWS in Einbeck. Zwar hat sich die Technologie zwischenzeitlich weiterentwickelt und folglich auch Details im Anbaumanagement. Aber in Grundzügen, so sagt Chiara, kann sie die Struktur ihrer Anleitung bis heute erkennen.

CONVISO® SMART blieb ein stetiger Begleiter ihrer Laufbahn bei KWS. Denn weniger als ein halbes Jahr nach ihrem Start in Einbeck wechselte Chiara 2017 in ihr Heimatland. „In Italien starteten wir zu dieser Zeit gerade mit CONVISO®, sagt sie. „Mein Vorgänger und ich waren die ersten, die den zwei Zuckerfabriken und den landwirtschaftlichen Betrieben die Technologie gezeigt und sie darin trainiert haben, wie man sie anwendet.“ Mittlerweile sind mehr als fünfzig Prozent aller Sorten von KWS auf Italiens Feldern mit der Technologie ausgestattet, bestehend aus Saatgut und Herbizid.

Nach Italien kam Chiara ursprünglich zurück, weil der damalige Country Manager für Zuckerrüben, Giuseppe Noci, auf der Suche nach einer Nachfolgerin im Agroservice war. Während seines jährlichen After-Sales-Work­shops mit dem Head of Region Achim Feger lernte er die neue Mitarbeiterin zufällig kennen, und sie erfuhren von ihrer Qualifikation für die Stelle. Es war Chiaras erster Tag in Einbeck.

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▶ Chiarella

Chiara De Lucchi beschreibt, was die neue Sorte CHIARELLA KWS auszeichnet und weshalb sie das Ergebnis von Teamarbeit ist.

Übersetzerin von Sorgen und Fragen

Dass sie für diese Position geeignet ist und sich leidenschaftlich mit Zuckerrüben beschäftigt, zeigt sich an Chiaras Doktorarbeit. Sie untersuchte darin die Fusarium-Resistenz von Zuckerrüben. Aber für ihren Beruf sieht die 37-Jährige über das Fachwissen hinaus noch eine weitere Ebene als wichtig an. „Im Agroservice bauen wir Brücken zwischen der Züchtung, dem Vertrieb, dem Marketing, den Zuckerfabriken sowie Landwirtinnen und Landwirten.“ Chiara beschreibt sich als Übersetzerin der Sorgen und Fragen der Landwirtinnen und Landwirte in die Sprache der Züchterinnen und Züchter – und umgekehrt berät sie Anbauerinnen und Anbauer zu den Lösungen aus der Züchtung.

Sie arbeitet eng mit Friedrich Kopisch-Obuch zusammen, dem für Italien zuständigen Züchter. Gemeinsam beurteilen sie, welches genetische Material den Marktanforderungen am besten entspricht, und bestimmen Sorten mit Potenzial, die sich auf dem italienischen Markt behaupten und erfolgreich eingeführt werden können. Auch das Betreuen von Feldversuchen, das Trainieren des Vertriebsteams und das Beraten des Marketings gehören zu ihren Aufgaben. „Was mir daran so gut gefällt, ist der intensive Austausch mit vielen Beteiligten.“

„Mir gefällt der intensive Austausch mit vielen Beteiligten.“

Chiara De Lucchi

Die Basis dafür wiederum legte Chiara mit ihrem Studium der Umweltwissenschaften: Anstatt in einem bestimmten Sektor wie Chemie oder Biologie zu arbeiten, wollte sie eine übergeordnete Sicht auf verschiedene Themen gewinnen. „Mein Studium hat mir geholfen, eine Übersetzerin zwischen naturwissenschaftlichen Fächern zu werden – denn auch zwischen Chemie, Biologie und Physik kann die Sprache ein bisschen unterschiedlich sein.“

Inzwischen ist Chiara nicht mehr nur Teil des Agroservice, sondern auch Key-Account-Managerin für Zuckerrüben in Italien – und damit neben dem technischen Bereich auch für die kommerzielle Seite bei der Zuckerrübe verantwortlich, inklusive Strategie, Sortenauswahl, Kontakt mit Kundinnen und Kunden sowie engem Austausch mit den Zuckerfabriken.

Nähe prägt insgesamt ihren Alltag. „Ich begleite den gesamten Zyklus der Zuckerrüben.“ Es gibt Phasen, in denen sie Daten analysiert und strategisch arbeitet – und Phasen, in denen sie mit Landwirtinnen und Landwirten oder Technikerinnen und Technikern auf dem Feld ist. Der Vertrieb in Italien betreut zwei Zuckerfabriken mit rund 2.000 Betrieben. In diesen schwierigen Jahren ist es für die Branche von entscheidender Bedeutung, Nähe zu zeigen und Lösungen anzubieten.

Chiara kümmert sich um die großen Betriebe wie den von Carlo Pasti in der Nähe von Venedig. Er ist besonders aufgeschlossen für neue Sorten und stellt eine Fläche für Vergleichsversuche bereit. „So können wir zeigen, wie sich die Sorten unter landwirtschaftlichen Bedingungen verhalten – nicht nur in kleinen Parzellenversuchen.“

Unter schwierigen Bedingungen liefern unsere Zuckerrüben in Italien gute Ergebnisse. Was Landwirte wie Carlo Pasti benötigen, erfährt Chiara De Lucchi im direkten Austausch.

Das Ergebnis von Teamarbeit

2020 wurde dort FIAMMETTA KWS getestet – die erste CR+-Sorte in Italien. In diesem Jahr ist die neueste Sorte auf dem Versuchsfeld: CHIARELLA KWS. Die Ähnlichkeit mit ihrem eigenen Namen ist Zufall, sagt Chiara mit einem Schmunzeln. Für sie ist die neue Sorte das Ergebnis von vielen Jahren erfolgreicher Teamarbeit. „Sie kombiniert mehrere Eigenschaften, die sich unsere Kundinnen und Kunden gewünscht haben: Cercospora- und Nematoden-Toleranz sowie hohe Stressresistenz und natürlich guter Ertrag.“ Sie ist entstanden aus den Anforderungen des Marktes. „Für mich ist das gelebte Nähe.“

Überhaupt sieht sie KWS als großes Team. Von Anfang an profitierte sie selbst von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die ihr Wissen teilten. „Sie haben mir nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist – denn der Agroservice ist ein Job der Erfahrung.“ Heute kennt Chiara für fast jede Frage die richtige Ansprechperson – intern wie extern. „Und wenn ich etwas nicht weiß, dann finde ich jemanden, der es weiß.“

„Der Agroservice ist ein Job der Erfahrung.“

Chiara De Lucchi

So lernt sie jedes Jahr etwas Neues. „Selbst Leute mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung sehen manche Dinge zum ersten Mal – wir arbeiten eben mit der Natur zusammen.“ Wenn auf einem Feld zum Beispiel unerklärliche Symptome auftreten, nimmt sie Proben und lässt sie im Labor in Einbeck analysieren oder fragt Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern, ob sie dasselbe Problem schon einmal hatten.

Chiara sagt: „Mit CONVISO® SMART bieten wir eine alternative Lösung zur Unkrautbekämpfung. Und mit CR+ haben wir Sorten, mit denen die Blätter länger grün bleiben und die einen besseren Ertrag bieten. Aber unsere Arbeit ist damit noch lange nicht getan.“ Probleme bereite der Klimawandel. „In den letzten Jahren waren die Sommer extrem heiß – nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa“, sagt Chiara. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Auswirkungen der Hitze auf die Pflanzen zu verstehen und Lösungen zu finden.“

Trotz der schwierigen Bedingungen sieht sie KWS gut aufgestellt: „Auf den Empfehlungslisten der italienischen Zuckerrübenwirtschaft stehen unsere Sorten ganz oben.“ Und wenn sie über das Engagement der Landwirtinnen und Landwirte spricht, kommt Chiara regelrecht ins Schwärmen. „Zuckerrüben in Italien anzubauen, ist wirklich kompliziert. Unsere Kundinnen und Kunden investieren viel Energie, um mit dieser Kulturart das Optimum zu erreichen. Für mich sind sie die besten der Welt.“ |


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