Marianne Sela Buurlage
„Wandel muss von oben vorangetrieben werden“
Marianne Sela Buurlage, Head of Global Operations Vegetables, berichtet von ihrem eigenen Karriereweg, Diversität in Unternehmen und warum Mentoring besonders für Frauen so wichtig ist.
Für Marianne Sela Buurlage spielen Mentoring und Diversität eine große Rolle bei der Chancengleichheit.
Marianne machte ihren Doktor im Bereich Pflanzenzüchtung und Phytopathologie. Heute ist sie Head of Global Operations Vegetables.
Wer sich mit Marianne unterhält, hat sofort den Eindruck: Hier spricht jemand mit Erfahrung aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Unternehmen. Jemand, die immer ein klares Ziel vor Augen hatte. Aber wie ist Marianne zu ihrer jetzigen Position gekommen?
„Jede und jeder verdient eine Chance. Und es gibt eben auch unterschiedliche Wege, die eigenen Ziele zu verfolgen oder die Karriere voranzutreiben“, so Marianne. „Meine Eltern waren dahingehend immer sehr klar: Du solltest dorthin gehen, wohin deine Leidenschaft und Überzeugung dich führen.“ Das spiegelt sich für Marianne und ihren Mann darin wider, dass sie schon in England, den USA und Israel gearbeitet haben.
Als sie dann mit ihrer ersten Tochter schwanger ist, entscheiden sie und ihr Mann: Er bleibt vorrangig zu Hause. Ihr Rat ist: miteinander sprechen, eine offene Diskussion führen – Kinderbetreuung und Co. müssen nicht immer automatisch der Frau zufallen.
Marianne konzentriert sich darauf, ihren Doktor im Bereich Pflanzenzüchtung und Phytopathologie zu Ende zu machen. „Ich konnte mich einfach nie entscheiden, ich mag beide Bereiche so sehr“, sagt sie mit einem Lachen.
Sie beginnt dann, in einem mittelständischen Familienunternehmen zu arbeiten, das sich auf Gemüsesaatgut spezialisiert hatte. „Gerade am Anfang war es nicht leicht“, erzählt sie. „Wir hatten mittlerweile zwei kleine Töchter und ich wurde ständig gefragt, warum ich überhaupt Kinder habe, ich wäre doch immer am Arbeiten. Niemand hätte das jemals einen Mann mit Kindern in derselben Position gefragt. Ich bin dann wirklich wütend geworden und meine Antwort war immer: ‚Die Mädchen haben auch einen Vater. Wir sind ein Team.‘“
Mariannes Töchter sind mittlerweile erwachsen, haben selbst Kinder. Sie ist der Meinung, dass sich die Situation mittlerweile geändert hat, Menschen die eigenen Vorurteile besser überdenken. Aber als Rat hat sie ihren Töchtern trotzdem mitgegeben, mit dem Partner zu besprechen, wer zu Hause bleibt und wer vorerst weiter arbeiten geht.
„Ich wurde ständig gefragt, warum ich überhaupt Kinder habe, ich wäre doch immer am Arbeiten.
Niemand hätte das jemals einen Mann mit Kindern in derselben Position gefragt.“
Marianne Sela Buurlage
Diversität als Bereicherung
In ihrem ersten Unternehmen erlebt Marianne einen eher konservativen Umgangston, Landwirtschaft ist dort immer noch eine „Männerindustrie“, wie sie es beschreibt. Trotzdem will sie nicht aufgeben, ihre Position deutlich machen und sich einen Platz am Tisch sichern. „Ich musste schon darum kämpfen“, erinnert sie sich. „Mir ist es immer wichtig gewesen, dass ich meine Position erhalte, weil ich die Beste für den Job bin, und nicht, weil ich eine Frau bin und deswegen ausgewählt wurde. Gleichzeitig glaube ich, dass wir als Frauen immer noch mehr leisten müssen als ein Mann in derselben Position – das ist unfair, denn es ist anstrengend und kostet Kraft.“
Andere Frauen, Diversität und Gleichstellung zu fördern, ist Marianne schon immer wichtig. Als in ihrem damaligen Unternehmen ein Betriebsrat gegründet werden soll, kümmert sie sich darum und übernimmt den Vorsitz. Ihr Engagement gibt ihr die Möglichkeit, sich zu entfalten und zu wachsen, gleichzeitig lernt sie viel darüber, wie der Vorstand über die Zukunft des Unternehmens denkt.
Einige Zeit später wird das Unternehmen überraschend von Monsanto übernommen. Was erst ein kleiner Schock war, stellt sich als Bereicherung für die Unternehmenskultur heraus: „Monsanto hatte einen sehr starken Fokus auf Diversität, Inklusivität und spezielle Förderprogramme für Frauen. Mich hat das unheimlich gepusht, durch die neuen Möglichkeiten bin ich in das operative Geschäft gewechselt, konnte dort Führungsrollen übernehmen und mein strategisches Denken weiterentwickeln.“ Für Marianne ist das ein klares Beispiel, wie Diversität die Unternehmenskultur verbessern und das Unternehmen voranbringen kann – wenn dies zu einer Priorität gemacht wird.
Auch Mentoring spielt eine große Rolle. Bis heute kümmert sich Marianne darum, junge Frauen auf ihrem Karriereweg zu unterstützen. „Ich bin seit zwei Jahren in der Business Unit Vegetables bei KWS und schätze es sehr. Aber ich bin heute immer noch die einzige Frau im Management-Team, da haben wir noch Arbeit vor uns. Daher kümmere ich mich darum, dass Kolleginnen, die an das Management-Team berichten, besser gefördert werden.“
Als ihre beiden Töchter noch klein waren, kümmerte sich Mariannes Mann vorrangig um deren Betreuung.
Mariannes Tipps für Frauen, um die eigene Karriere zu gestalten
Wenn Marianne über Ratschläge für Frauen auf ihrem Karriereweg nachdenkt, dann ist ganz klar: Nicht warten, bis man bemerkt und gefördert wird, sondern selbst aktiv vorgehen. Nicht zu bescheiden sein, nicht zu sehr im Hintergrund bleiben. „Irgendwann muss man darüberstehen, was andere über einen denken“, sagt sie. „Nicht jede und jeder wird dich mögen, aber so ist es. Wenn mich jemand als zu direkt oder nicht ‚nett‘ genug wahrnimmt, dann muss ich das eben hinnehmen, solange mein Umgangston offen und respektvoll bleibt.“
Coaching und Mentoring haben ihr dabei sehr geholfen, daher versucht sie, diese Erfahrung selbst als Mentorin an andere Frauen weiterzugeben. Trotzdem ist es aus ihrer Erfahrung so, dass man sich manchmal seiner Rolle als Frau deutlich bewusster sein muss als ein Mann. „In meinem Team ist das nicht notwendig, aber wenn ich zu einem Meeting mit externen Partnern gehe und es sind hauptsächlich Männer im Raum, achte ich darauf, dass ich nicht diejenige bin, die Kaffee macht oder Protokoll führt. Es ist unfair, aber als Frauen müssen wir immer noch stärker darauf achten, dass wir als Expertinnen wahrgenommen werden.“
Hier sieht sie auch ganz klar die Führungsebene in der Verantwortung. Dort muss die Entscheidung für mehr Förderung von Frauen in Führungspositionen getroffen werden. „Es ist gut, wenn realisiert wird, dass wir als Frauen etwas Besonderes zum Erfolg beitragen können – gerade weil wir Frauen sind, die sich nicht wie Männer verhalten. Sondern weil wir Frauen sind, die sich wie Frauen verhalten.“
Talente fördern und entwickeln
Auf ihrem Karriereweg hat sie viele Situationen erlebt, in denen Frauen sich Führungspositionen oder die Leitung eines Projekts nicht zugetraut haben, obwohl sie bestens dafür geeignet waren. Hier möchte Marianne daran appellieren, an sich selbst zu glauben, für sich einzustehen und auch den Sprung ins Ungewisse zu wagen. Gleichzeitig sagt sie ganz deutlich, dass es dafür Unterstützung braucht – in Form von Programmen, Mentoring und einem anderen Bewusstsein, das beispielsweise durch Diversity-Trainings erreicht werden kann.
„Wir müssen da einfach mehr investieren“, sagt Marianne. „Bei KWS haben wir bestimmt viele Talente, aber diese brauchen die Unterstützung, um sich zu entwickeln.“ Dafür muss aber auch die Bereitschaft im Management da sein, dies mitzutragen. Junge Familien bei der Planung ihrer Arbeitsaufteilung zu unterstützen, sollte auch darunterfallen: In ihrem Team geht jetzt ein junger Kollege in Elternzeit und wird mehrere Monate eine Lücke hinterlassen. „Ihm habe ich gesagt: Du wirst dem Team fehlen, aber ich unterstütze dich, weil es das Richtige für dich und deine Familie ist“, so Marianne. „Wenn man als Führungskraft zuhört und aufmerksam ist und sieht, dass es beispielsweise hart ist, die Betreuung der Kinder mit dem Job zu vereinbaren, kann man nach guten Lösungen und Unterstützungen suchen.“ Wichtig ist für Marianne, dass Mitarbeitende sich gehört und gesehen fühlen und wirklich aktiv nach Lösungen gesucht wird wie beispielsweise mit einer geteilten Führungsrolle.
Mariannes letzter Tipp, wenn man doch mal auf die berühmte gläserne Decke trifft? „Versuch trotzdem, weiterzugehen, dich zu präsentieren, Unterstützung zu finden – such dir die Menschen im Unternehmen, die dir helfen können. Die Decke ist aus Glas: Wir können gemeinsam durchsehen.“
INFO
Women’s Careers @ KWS
In diesem Jahr stellen wir jeden Monat im Intranet und in jeder Ausgabe der KWSintern eine unserer Kolleginnen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Unternehmens vor. Im Fokus stehen authentische und vielfältige Karrierewege, inklusive aller Hürden. Jeder Beitrag zeigt Themen auf, die die Karriere der betreffenden Person geprägt haben – zum Beispiel kultureller Hintergrund, Familie und Karriere, die Überwindung einer potenziellen gläsernen Decke oder Vorbilder, die den Weg geprägt haben. Dabei sollen auch schwierige Situationen oder besondere Herausforderungen im Fokus stehen. Genauso wie die Erfolgserlebnisse machen sie gemeinsam unsere Markenessenz „Make yourself grow“ aus.
Weitere Artikel folgen – im Intranet und in der KWSintern.
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