Unser Team hat die Sorte Tropikalia in Brasilien etabliert. Für den langfristigen Erfolg ist eine zweite Sorte in Arbeit.
Neue Sorten
Paving new ways: Wassermelonen
Bis 2028 wollen wir Sorten in allen neun Gemüse-Kulturarten auf den Markt bringen. Unsere Serie startet mit unserer ersten eigenen Wassermelonensorte: Tropikalia.
„Brasilien, das ist fast wie ein eigener Kontinent“, sagt Eduardo Albonico, Regional Head of Sales: Das Land ist riesengroß, mit wechselnden tropischen Klimabedingungen und verschiedenen Bodenbeschaffenheiten. Zwischen Regenwald und Südatlantikküste wollen wir hier mit unseren Wassermelonen Fuß fassen.
Tropikalia ist unsere erste kommerzielle Wassermelonensorte und ein wichtiger Meilenstein unserer Strategischen Planung 2035: Bis 2028 wollen wir in allen neun Kulturarten unserer Gemüsesparte jeweils mindestens eine eigene Sorte verkaufen.
Von Brasilien aus steuert das Team alle Aktivitäten für Südamerika – und ist dabei räumlich weit verteilt. Während Eduardo am Hauptstandort Campinas in der Nähe von São Paulo arbeitet, züchten Antônio Marcos Diniz Campos und sein Team in Uberlândia, mehr als 600 Kilometer entfernt. „Gute, offene und transparente Zusammenarbeit ist da ein Muss“, so Eduardo.
„Gute, offene und transparente Zusammenarbeit ist da ein Muss.“
Eduardo Albonico
Herausforderungen in Brasilien
Vorteil der unterschiedlichen brasilianischen Klimazonen: Hier können bis zu vier Zyklen im Jahr laufen, was die Züchtung sehr beschleunigt. Bei Wassermelonen unterscheidet man zwischen diploiden Sorten (mit Kernen) und triploiden Sorten (ohne Kerne). Antônio arbeitet hauptsächlich mit den diploiden Wassermelonen wie den Arten All Sweet und Crimson Sweet – das sind die typisch Gestreiften, die wir aus dem Supermarkt kennen.
Tropikalia auf den Markt zu bringen, war eine Besonderheit: Es gab keine Protokolle oder Prozesse, auf die sich Antônio und sein Team stützen konnten. Die Erfahrung im Team hat dabei den Unterschied gemacht: Im Juli 2020 wurde das erste Keimmaterial gesammelt, im Februar 2022 wurden bereits Hybriden ausgewählt – ein unglaublich schneller Prozess. „KWS hatte Vertrauen, dass wir das Richtige machen“, so Antônio. „Einbecks molekulare Markertechnologie hat uns sehr dabei geholfen, die Reinerbigkeit der Elternlinien festzustellen. Das hat uns teilweise einen ganzen Zyklus erspart.“
Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Züchtung, Vertrieb und dem dann entstandenen Produktmanagement kam Tropikalia nur vier Jahre nach Start des Projektes auf den Markt. „Auch unter regnerischen Bedingungen oder in kalten Nächten wächst die Frucht gut und hat eine schöne, glatte Oberfläche“, sagt Antônio. „Das ist wichtig für die Vermarktung.“
Trotzdem hängt der langfristige Erfolg von vielen anderen Faktoren ab: Ist der Wochenpreis für Wassermelone gut, verkauft sich Tropikalia optimal, denn alle Früchte werden auf einmal reif. Fällt der Preis, wollen Anbauerinnen und Anbauer ihre Früchte jedoch nach und nach ernten – dann wird es für unsere Wassermelone schwieriger. Daher arbeitet das Team in Brasilien bereits an einer zweiten Sorte, die Tropikalia ergänzen soll. „Der Markt in Brasilien ist sehr kompetitiv“, so Antônio.
Feldtage in Estrela do Norte (Brasilien)
Erfolgreich am Markt
Unsere Wassermelonen in den Hotspots von Brasilien erfolgreich zu vermarkten, ist daher das Ziel von Suelen Arantes und ihren Kolleginnen und Kollegen. Brasilien ist für das Product Development in verschiedene Zonen aufgeteilt, Suelen ist verantwortlich für Wassermelonen und Melonen. Uberlândia ist dafür ein guter Startpunkt, denn die Stadt liegt zwischen den beiden Hauptvermarktungsgebieten (westlich von São Paulo und der Goiás-Region) für Crimson-Sweet-Sorten wie Tropikalia. Im Zusammenspiel mit einer neuen Sorte kann unsere Wassermelone hier und auch westlich von São Paulo einen noch größeren Marktanteil erreichen, glaubt Suelen. „Gemessen an der Größe Brasiliens ist unser Team eher klein. Aber unsere Zusammenarbeit läuft so gut, wir denken Themen neu, machen Dinge möglich – wie echte Freshplorer eben“, sagt sie mit einem Lächeln.
Die unterschiedlichen Wetterlagen in Brasilien sind für die Züchtung einer Sorte besonders herausfordernd. Deshalb braucht es hier ein diverses Portfolio. Zusätzlich muss die Wassermelone in beliebten Anbaugebieten auch gegen andere Kulturarten wie Zuckerrohr antreten.
„Eduardo hat mich mal gefragt, ob ich stolz darauf bin, Tropikalia entwickelt zu haben“, sagt Antônio. „Ich sagte: Nein. Denn es ist eine Sache, eine Sorte zu entwickeln. Eine andere Sache ist es, sie erfolgreich im Markt zu halten. Daran arbeite ich immer weiter.“
Alberto de Marcos Serrano arbeitet in Spanien an den ersten eigenen Wassermelonensorten ohne Kerne.
Wassermelonen: beliebt in warmen Ländern
Während Tropikalia in Brasilien bereits im Markt ist, arbeiten Alberto de Marcos Serrano und sein Team in Spanien mit Hochdruck an ihrer ersten eigenen kommerziellen Wassermelonensorte. In Spanien sind die kernlosen Arten beliebt – Tiger Striped und Sugar Baby. „Die Herausforderung ist, dass diese von allein keinen Pollen ausbilden“, erklärt Alberto. „Sie brauchen eine andere Pflanze, die das triggert.“ In Spanien nutzen Anbauerinnen und Anbauer dafür die Microseeded-Sorten. Das sind kleine Wassermelonen mit winzigen Kernen. Klein und kernlos sind auch die Mini-Seedless-Sorten, die zukünftig beliebter werden könnten. „Dieses Jahr ist sehr wichtig für uns“, so Alberto. „Wir testen mit Versuchen, ob unsere Sorten am Markt mithalten können – bisher ist das Feedback sehr gut.“ Wenn das gelingt, werden andere Märkte folgen.
Microseed-Sorten könnten auch für den brasilianischen Markt interessant werden: Daher arbeiten Alberto und Antônio daran, einige ihrer Linien miteinander zu kreuzen und zu testen. Das Material sieht gut aus – „eine tolle Gelegenheit, enger zusammenzuarbeiten“, sagt Alberto. |
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