Saatgutvermehrung
Zwei Jahre für höchste Qualität
Bevor Zuckerrübensaatgut von KWS auf dem Feld landet, hat es bereits eine lange Reise hinter sich – über mehrere Ländergrenzen hinweg. In fünf Schritten zeigen wir, wie es hergestellt wird.
Zwischen Anbau und Auslieferung durchläuft das Saatgut verschiedene Stationen der Prüfung, der Veredelung und der Qualitätskontrolle. Die Herstellung ist aufwendig, hochpräzise und erfordert ein perfektes Zusammenspiel von Natur, Erfahrung und Technik. Nur so kann es Landwirtinnen und Landwirten sichere Erträge ermöglichen. Die Samen entstehen in zwei Vegetationsjahren: Im ersten bildet die Zuckerrübe die Wurzel. Anschließend benötigt sie einen mehrwöchigen Kältereiz, um im zweiten Jahr zu blühen und Samen auszubilden.
Wer mehr über die Saatgutverarbeitung wissen will, findet in der Willkommensausgabe der KWSintern eine Infografik.
Videotipp: Wie sieht die Zuckerrübenaussaat in der Praxis aus? Ein Landwirt von der Hildesheimer Börde nimmt uns mit aufs Feld und spricht über seine Erfahrungen mit Saatgut von KWS. Jetzt ansehen in der World of Farming. |
Menge, Sorte, Region – Planung zwei Jahre im Voraus
Die Reise beginnt lange vor der Aussaat: Bereits zwei Jahre vor dem Einsatz auf dem Feld plant KWS, wie viel Saatgut welcher Sorte produziert werden muss. Marktprognosen, Sorteneigenschaften und Kundenanforderungen spielen dabei eine Rolle. Wichtig ist auch die geografische Planung: Zwischen Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften müssen große Abstände eingehalten werden. So werden ungewollte Einkreuzungen vermieden, denn Wind kann Pollen kilometerweit tragen.
Erste Vegetationsphase – Stecklinge in den Vermehrungsregionen
Im August wird das Basissaatgut von KWS aus Einbeck auf Feldern in den USA, der Türkei und in den KWS Hauptvermehrungsgebieten – Norditalien und Südwestfrankreich – ausgesät. Dort herrschen ideale Bedingungen: fruchtbare Böden, passende Kühle im Winter und ein reicher Erfahrungsschatz unter den Anbauerinnen und Anbauern, mit denen KWS eng zusammenarbeitet. Über den Herbst und den Winter entwickeln sich kräftige Stecklinge. Dabei durchlaufen sie die nötige Kälteperiode – die Vernalisation, ein natürlicher „Schalter“, um die Blüte auszulösen. Abgedeckt mit Vlies reifen die Stecklinge heran und werden im Februar geerntet.
Blüte, Bestäubung, Ernte – Saatgutvermehrung auf dem Feld
Jetzt beginnt das Kernstück der Saatgutproduktion: Die Stecklinge werden wieder ausgepflanzt – diesmal mit Mutter- und Vaterpflanzen im Streifenanbau in getrennten Reihen. Im Frühjahr schossen die Pflanzen, bilden Blüten und werden im Mai in einem Zeitraum von etwa vier Wochen bestäubt. Tröpfchenbewässerung dient der effizienten Wassernutzung und gewährleistet die Pflanzengesundheit. Nach der Bestäubung wird der Pollenspender entfernt: Geerntet wird nur das Saatgut der Mutterpflanze. Diese Ernte erfolgt von Juli bis Anfang August.
Reinigung und Qualitätsprüfung – Auswahl nach klaren Kriterien
Direkt nach der Ernte wird das Saatgut in den Vermehrungsregionen vorgereinigt. Stroh, Erde und zu große oder zu kleine Samen werden aussortiert. Entscheidend sind hohe Keimfähigkeit, Triebkraft, Sortenreinheit und die spezifischen genetischen Merkmale, die garantieren, dass nur Saatgut mit den gewünschten Eigenschaften auf die Felder der Kundinnen und Kunden kommt. Dann geht es zur Weiterverarbeitung zu KWS nach Einbeck.
Aufbereitung und Veredelung in Einbeck – Technik, Beschichtung, finale Kontrolle
In Einbeck wird das Saatgut in unserer weltweit größten Anlage für Zuckerrübensaatgut veredelt. Es wird sortiert, kalibriert, poliert und mithilfe von Röntgen- und Computertomografietechnik selektiert. Die anschließend im Prozess der Pillierung aufgetragene Hüllmasse schützt das Saatgut und verbessert die Handhabung. Präzise werden nun Fungizide, Insektizide und die typische orange Farbe aufgebracht. Abschließend erfolgt eine letzte Qualitätskontrolle, bevor das Saatgut verpackt und ausgeliefert wird. In der letzten Saison hat KWS global rund 3,3 Millionen Saatgutboxen für etwa 2,75 Millionen Hektar an Landwirtinnen und Landwirte verschickt.
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