Rapszüchtung
„Lösungen zu finden, hat mir immer gefallen“
Andreas Gertz ist erst der zweite Leiter der kontinentalen Rapszüchtung bei KWS seit dem Beginn der Rapszüchtung in den 1970er-Jahren. Zum Ruhestand blickt er zurück auf den Aufstieg der Hybriden seit Beginn des Jahrtausends.
Andreas Gertz ist überzeugt, dass es mit dem Raps auch nach seinem Abschied in den Ruhestand erfolgreich weitergeht.
Bevor Andreas Gertz 2002 mit der Rapszüchung bei KWS begann, hatte er schon einmal Berührungspunkte mit seinem zukünftigen Arbeitgeber: In seiner Promotion beschäftigte er sich mit Roggen – der Leidenschaft seines damaligen Chefs, der mit der Lochow-Petkus zusammenarbeitete. In die Rapszüchtung startete Andreas Gertz 1989 zunächst bei einem dänischen Unternehmen – bis sich die Möglichkeit ergab, Hans Baukloh zu beerben: Er hatte den Raps bei KWS in den 1970er-Jahren aufgebaut und bis zu seinem Ruhestand 2005 betreut. Im Februar ging Andreas Gertz nun selbst in den Ruhestand und erzählte vorher, wie die Kulturart in seiner Zeit vom Winzling zum Marktführer aufgestiegen ist.
Herr Gertz, wenn Sie auf Ihre 23 Jahre bei KWS zurückblicken:
Was hat diese Zeit am meisten geprägt?
Ganz klar die Hybridzüchtung. Und die Abteilung ist enorm gewachsen. Am Anfang war sie noch ganz klein. Jetzt sind wir 18 Kolleginnen und Kollegen in Einbeck, und mit Momont in Frankreich und bei KWS UK sind es noch ein paar weitere. Man muss aber auch sagen: Am Anfang gab es beim Raps eine Durststrecke. Die erste Hybride wurde schon 1998 zugelassen und hat sich in gewissen Märkten sogar ordentlich verkauft, jedoch noch lange nicht in den Dimensionen wie heute. Aber KWS hatte einen langen Atem.
Was macht die Hybridzüchtung so langwierig?
Damit die Hybridzüchtung vernünftig funktioniert, braucht es ein System, um das Hybridsaatgut erzeugen zu können. Man nutzt eine männlich sterile Pflanze als Mutter, und eine Vaterlinie liefert den Pollen. Das Produkt ist dann die Hybride. Die Herausforderung: Die Vaterlinien brauchen ein sogenanntes Restorergen, damit die Hybriden in der landwirtschaftlichen Produktion wieder Pollen haben, denn beim Raps wird ja das Produkt der Blüte geerntet. Die Hauptaufgabe war es, dieses Problem zu lösen.
„Mit unserer neuesten Sorte KWS VAMOS sind wir zum ersten Mal Marktführer.“
Andreas Gertz
Das ist gelungen?
Ja, aber das Restorergen war mit anderen negativen Genen gekoppelt. Es hat zum Beispiel Einfluss auf den Glucosinolatgehalt des Rapskorns, einen natürlichen Abwehrstoff, der die Verwendung des Rests des Rapskorns nach der Ölextraktion als Futtermittel einschränkt und deshalb möglichst niedrig sein soll.
TASSILO KWS war 2007 die erste Sorte, bei der uns das gelungen ist. Ebenfalls an das Restorergen gekoppelt war wiederum auch eine positive Eigenschaft, die erhöhte Platzfestigkeit: Die Schote soll nicht schon auf dem Feld aufgehen, sondern erst im Mähdrescher. Die Sorte FACTOR KWS war 2014 unsere erste Sorte mit der Kombination niedriger Glucosinolatgehalt und erhöhte Platzfestigkeit. Inzwischen ist das System so gut, dass wir nicht mehr auf das Restorergen achten müssen, sondern uns im Zuchtprogramm auf andere Eigenschaften konzentrieren können: Mit IVO KWS und ERNESTO KWS haben wir einen verbesserten Ölgehalt bei hohem Ertrag erzielt und einen nennenswerten Marktanteil in Deutschland dazugewonnen. Mit unserer neuesten Sorte KWS VAMOS sind wir zum ersten Mal Marktführer.
Wie sehen Sie die Zukunft des Raps bei KWS?
Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Gesamtanbaufläche von Winterraps noch deutlich vergrößert, aber es sollte für KWS möglich sein, weitere Marktanteile mit neuen Sorten zu gewinnen. Die wichtigsten Züchtungsziele sind jetzt Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge bei gleichzeitig hohem Ertrag und Ölgehalt. Ich bin da sehr optimistisch.
„Ich konnte mich immer auf meine Kolleginnen und Kollegen verlassen.“
Andreas Gertz
Diese Aufgabe übernimmt jetzt Ihr Nachfolger.
Wie haben Sie Ihre Erfahrung über unseren Raps weitergegeben?
Quddoos Muqaddasi ist vor mehr als zwei Jahren aus der Getreidezüchtung von einem Mitbewerber zu KWS gekommen – mit dem Wissen, mein Nachfolger zu werden. Das war genug Vorlauf, um den Raps kennenzulernen und die Strukturen und Mechanismen bei KWS zu verstehen.
Was war Ihnen als Leiter der Rapszüchtung mit Blick auf Ihr Team wichtig?
Ich konnte mich immer auf meine Kolleginnen und Kollegen verlassen. Alle tragen selbstständig dazu bei, dass es in ihrem Bereich gut läuft. Dieses hohe Maß an Verantwortung bedeutet Stabilität und Sicherheit. Das muss unbedingt erhalten bleiben.
Was sind Ihre Pläne für den Ruhestand?
Ich habe nicht alles durchgeplant, aber möchte für manche Dinge mehr Zeit aufwenden. Beispielsweise für meine kleine Hobbylandwirtschaft mit Ziegen. Und für meinen Garten, für den ich bisher im Sommer während der Rapssaison zu wenig Zeit hatte. Außerdem wandere ich gern. Jetzt möchte ich größere Strecken machen. Im Sommer geht es über die Alpen.
Was werden Sie vermissen?
Den täglichen Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen und die fachlichen Herausforderungen. Lösungen zu finden, hat mir immer gefallen. |
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