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Hülsenfrüchte

Körnererbsen

Protein vom Feld

Statt zu Fleisch greifen Konsumenten vermehrt zu Ersatzprodukten mit pflanzlichen Proteinen. Unsere Körnererbsen leisten einen Beitrag zu dieser pflanzenbasierten Ernährung – mit Vorteilen auch im Anbau.

Es ist nicht allzu lange her, da waren Sojawürstchen noch eine Rarität. „Andere Fleischersatzprodukte gab es vor zehn Jahren kaum“, sagt Nina ­Blijdorp, internationale Produktmanagerin für Hafer und Erbsen bei KWS. Seitdem schafften es Beyond Meat aus den USA und weitere Hersteller wie die Rügen­walder Mühle aus Deutschland immer besser, mit ihren Fleischersatzprodukten den Geschmack der Kunden zu treffen.

Alles begann mit Sojabohnen, weil sie einen hohen Proteingehalt von über dreißig Prozent haben und als geschmacksneutral gelten. „Allerdings kommt der Großteil des weltweit verfügbaren Soja aus Nord- und Südamerika. Der Trend geht aber zu möglichst regionalen Lebensmitteln“, sagt Projektmanagerin Christiane von der Ohe. Und es entstand der Wunsch nach heimischen Eiweißpflanzen als Proteinquelle.

Auf diese Weise erlangte die Körnererbse aus dem Portfolio der KWS mit einem durchschnittlichen Proteingehalt von 24 Prozent eine immer größere Bedeutung bei Produzenten von Fleischersatz. Neben der besseren Umweltbilanz im Vergleich zu importiertem Soja liefern weitere Eigenschaften dieser Leguminose Vorteile für die Vermarktung: Sie ist glutenfrei, gentechnikfrei, allergenfrei und stammt aus heimischem Anbau.

Seit dreißig Jahren im Programm

Die KWS Getreide hat die Körnererbse schon seit 1990 im Portfolio. 2014 übernahm KWS das französische Züchtungsunternehmen Momont komplett, mit dem schon seit 1999 durch die Übernahme von 49 Prozent des Kapitals von Momont durch KWS eine fruchtbare Zusammenarbeit bestand und das ebenfalls seit dreißig Jahren ein Züchtungsprogramm für Erbsen hat. „KWS hat zum Glück den richtigen Riecher gehabt, dass Eiweißpflanzen ein immer wichtigeres Thema werden“, sagt Nina Blijdorp.

Züchtungsziele sind derzeit zum einen, den Eiweißgehalt zu erhöhen, ohne dass Standfestigkeit und Ertrag darunter leiden. Ebenso wichtig wird es aber sein, den Geschmack der Leguminose zu verbessern. „Komplett neu ist dieses Züchtungsziel nicht“, sagt Christiane von der Ohe. Zwar dienten Körnererbsen bislang vor allem als Tierfutter, „aber auch Kühe mögen es nicht bitter“.

Züchtungsziel: Geschmack

Dennoch haftet der Körnererbse bislang der Ruf an, einen bohnig-muffigen Geschmack zu haben. Das zu ändern, „da sind wir als KWS gefragt“, sagt Nina Blijdorp. Allerdings nicht allein: Um beispielsweise die ideale Funktionalität des Eiweißes züchterisch zu erreichen, besteht ein enger Austausch mit den Herstellern, weil die Produktionsprozesse eine wichtige Rolle für die Qualität des Endproduktes spielen.

In Europa führt KWS den Markt für Körnererbsen an, vor allem wegen der starken Position in Frankreich und England. In diesen beiden Ländern und in Deutschland hat KWS eigene Züchtungsaktivitäten, hinzu kommen Märkte wie Skandinavien, das Baltikum, die USA und Spanien, in denen Körnererbsensaatgut in Lizenz verkauft wird. „Auch wenn der Trend riesig erscheint, die Körnererbse bleibt eine Nische“, sagt Nina Blijdorp. Zum Vergleich: Während Weizen in Deutschland auf fast drei Millionen Hektar angebaut wird, wächst die Körnererbse auf rund 100.000 Hektar.

Steigerungspotenzial besteht aber auch, weil Leguminosen wie die Körnererbse die Fähigkeit haben, Stickstoff aus der Luft aufzunehmen. „Das heißt, sie braucht keinen zusätzlichen Stickstoff, um zu wachsen.“ Der gespeicherte Stickstoff bleibt auch nach der Ernte im Boden. „Leguminosen erweitern ideal die Fruchtfolge“, sagt Christiane von der Ohe. Folgefrüchte müssen weniger gedüngt werden, was es Landwirten wiederum erleichtert, politisch vorgegebene Düngeverordnungen einzuhalten.

Fakten wie diese hat Christiane von der Ohe für eine neue Infografik zusammengetragen. Das Schaubild reiht sich ein in eine Serie, die 2017 mit dem Roggen begann und mit Weizen (2018), Gerste (2019) und Zwischenfrüchten (2021) weiterging. |

Christiane von der Ohe

Nina Blijdorp


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