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Gemüse

Die vorhandene Resistenzgenetik bei Zuckerrüben kommt auch der Roten Beete zugute.

Rote Beete

Da geht noch was!

Weil Rote Beete eng mit der Zuckerrübe verwandt ist, ergeben sich in der Züchtung viele Synergien.

Der Markt für Rote Beete wächst – nicht zuletzt aufgrund der gesunden Eigenschaften, die dieser bunten Kulturart zugeschrieben werden. Auch wenn ihr teilweise immer noch ein Ruf als „Omagemüse“ anhaftet, ist die Rote Beete bei ernährungsbewussten Verbrauchern aufgrund des hohen Mineralstoff- und Vitamingehalts sowie der nachhaltigen, regionalen Verfügbarkeit längst wieder interessant geworden. Hier schlummert viel Potenzial, zeigt doch die Marktforschung, dass bisher nur ein kleiner Anteil der Konsumenten Rote Beete kauft. Da geht also noch was.

Bei der Roten Beete handelt es sich um eine Kulturform der Gemeinen Rübe mit enger Verwandtschaft zur Zuckerrübe. Beide gehören der gleichen Beta-Familie an und werden heute in der Unterart Beta vulgaris zusammengefasst.

Spannend für KWS wurde die Kulturart mit der Akquise des niederländischen Gemüsesaatgutherstellers Pop Vriend Seeds im Juli 2019. Seither können viele Synergien in der Züchtung genutzt werden. KWS forscht seit ihrer Gründung 1856 an der Genetik der Zuckerrübe; Pop Vriend steuert zehn Jahre aktuelle Züchtungserfahrung zur Roten Beete bei. Die Angehörigkeit zur selben botanischen Familie macht es möglich, sämtliche Züchtungsergebnisse fruchtübergreifend auszutauschen.

Resistenzgenetik: Neuheit für die Rote Beete

Als besonderes Highlight werfen wir einen Blick auf die Resistenzgenetik: Diese ist im Bereich der Zuckerrübe schon etabliert, während sie für die Rote Beete eine absolute Neuheit ist. So konnten Jeroen Wery, Züchtungsleiter bei Pop Vriend, und Marnix de Kroon, Züchter, kürzlich die Rizomania-Toleranz in Rote Beete implementieren. Bisher haben die Kollegen aus Andijk drei konkurrenzfähige Sorten entwickelt – alle ohne Resistenzen. Drei weitere, diesmal mit Rizomania-Toleranz, sind aktuell in der Sortenprüfung.

Bislang standen im Fokus der Züchtung klar die Qualität, ein hoher Zuckergehalt und kräftige Spitzen. Jetzt liegt ein zusätzlicher Schwerpunkt auf der Forschung zur Entwicklung und Verbesserung des Schutzes vor Krankheiten. KWS forscht seit Langem zum Thema Rizomania in der Zuckerrübe. Von diesem Wissen konnten nun auch Jeroen Wery und Marnix de Kroon profitieren.

Deutlich kürzere Züchtungszeit

Auch das Team von Pop Vriend bedient sich für die Hybridentwicklung der sogenannten Doppelhaploidmethode. Hierbei werden gewünschte Eigenschaftskombinationen durch reinerbige Pflanzen stabilisiert. Früher war dies nur über jahrelange und zeitintensive Selbstbefruchtung ausgewählter Pflanzen möglich. Die DH-Methode führt zu einer deutlichen Verkürzung der Züchtungszeit in Richtung reinerbiger Elternlinien zur Sortenentwicklung.

Neben der DH-Methode aus der Zuckerrübe stehen dem Team auch andere Technologien zur Verfügung, die es für die Rote Beete bisher nicht gab; als Beispiele seien hier Marker und phytopathologische Anwendungen genannt.

Der Austausch beider Züchtungsabteilungen findet mittlerweile regelmäßig statt. Bei bestimmten Themen besuchen sich die Kollegen auch gegenseitig.

Insgesamt führt die Kooperation zu einem erheblichen Marktvorteil: Eine interne Kollaboration wie diese ist auf dem Hybridmarkt aktuell einzigartig. Große Industriemärkte profitieren bereits durch die Qualität von Hybridsaatgut, was zu weiterem Wachstum dieses Segments führen wird. |


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