Menschen

Porträt

Alessia Cogliandro erläutert unsere Unternehmensposition auf EU-Ebene – für ausgewogene Entscheidungen.

Alessia Cogliandro

Europa nah

Alessia Cogliandro setzt sich in Brüssel dafür ein, dass unsere Interessen als Züchtungsunternehmen in Europas Politik gehört werden. Also Lobbyismus? Die Italienerin will mit dem negativen Image aufräumen, das dem Wort anhaftet.

Es sind sensible Themen, mit denen sich die Politik in Europa befasst. Aktuell geht es beispielsweise um die Frage, ob neue Züchtungsmethoden wie das Genome Editing zukünftig genauso reguliert werden sollen wie konventionelle Züchtungsmethoden – und somit die Ergebnisse nicht länger als „gentechnisch modifiziert“ eingestuft werden, wie dies heute der Fall ist. Umweltverbände sind dagegen, weil sie Risiken vermuten. Züchtungsunternehmen wie KWS sehen diese Sorgen als unbegründet an. Politikerinnen und Politiker müssen letztlich entscheiden, wie sich Europa in dieser Frage positionieren wird.

Als Managerin Governmental Affairs ist es die Aufgabe von Alessia Cogliandro, unsere Unternehmensposition vor Entscheidungsträgerinnen und -trägern darzulegen. „Es geht nicht darum, jemanden zu überreden. Es geht darum, anderen näherzubringen, welche Erkenntnisse wir aus der Forschung und der täglichen Arbeit haben. Mitglieder des Europäischen Parlaments müssen diese Sicht genauso kennen wie die Sicht der Gegenseite, um eine Entscheidung treffen zu können.“

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Mittendrin

Alessia Cogliandro beschreibt die Ambitionen der europäischen Agrarpolitik und die Bedeutung von Transparenz. |

Alessia Cogliandro tauscht sich aber nicht nur mit Politikerinnen und Politikern aus, sondern auch mit anderen Interessenvertretungen – seien es Institutionen und Unternehmen mit derselben Ausrichtung wie KWS oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die eher kritisch eingestellt sind. „Wir haben oft die gleichen Ziele, zum Beispiel mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Auch Menschen mit unterschiedlichen Ansichten sollten sich zusammenschließen, um eine gemeinsame Basis zu finden. Manchmal ist nur der Weg zum Ziel unterschiedlich.“

Fachwissen nutzen und vermitteln

In Brüssel ist die Italienerin das Gesicht von KWS. „Aber intern sind eine Menge Kolleginnen und Kollegen beteiligt.“ Sie sind aus den Business Units, Regulatory Affairs, der Strategischen Planung, der Sortenzulassung, dem Patentrecht und der Unternehmenskommunikation – aus allen europäischen Ländern, in denen KWS vertreten ist. „Ich vertraue sehr auf das fachliche Wissen, das wir intern haben. Ich brauche diesen Gedankenaustausch, um alle Perspektiven zu kennen und KWS richtig vertreten zu können.“

Die Aufgabe von Alessia Cogliandro ist es dann, die Informationen transparent aufzubereiten. Ihre Arbeit vergleicht sie mit der einer Moderatorin, Lehrerin und Kommunikatorin: Wenn Positionspapiere zu einem übergeordneten Thema intern diskutiert und erarbeitet sind – auch das gehört zu den Aufgaben von Governmental Affairs –, nimmt Alessia Cogliandro an Veranstaltungen teil oder organisiert selbst Meetings und Events, um Politikerinnen und Politiker sowie andere Interessenvertreterinnen und -vertreter einzuladen und die Ansichten von KWS verständlich zu präsentieren.

„Wir haben oft die gleichen Ziele. Nur der Weg ist unterschiedlich.“

Alessia Cogliandro

Ihr großes Netzwerk in Brüssel ist dafür entscheidend. Es zu pflegen und zu vergrößern ist Teil des Jobs. „Interessanterweise wissen manche Politikerinnen und Politiker gar nichts von uns. Es hilft uns als Unternehmen aber sehr, wenn sie uns als europäischen Akteur auf dem Schirm haben.“

Umso besser funktioniert das, wenn sich Verantwortliche aus demselben Land treffen: Erst im September initiierte Alessia Cogliandro ein Treffen unseres bulgarischen Country Managers, Petko Vasilev, und seiner Kolleginnen und Kollegen mit bulgarischen Vertretern des Europaparlaments. „Solche Meetings sind sinnvoll, um Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf uns aufmerksam zu machen, damit wir sie in Zukunft besser erreichen können.“ Für Alessia Cogliandro wiederum ist es eine Möglichkeit, neue Beziehungen aufzubauen und ihr Netzwerk zu vergrößern.

Kommunikation ist ein großer Teil des Jobs.

Transparenz für ein positives Image

Aber ist das nicht Lobbyismus? Alessia Cogliandro nutzt das Wort selbst einige Male, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt – und sie sieht den Begriff in einem schlechten Licht. „Ich verstehe die Sorgen der Menschen in einzelnen Ländern der EU, aber in Brüssel sind die Prozesse transparent geregelt: So müssen beispielsweise Meetings der Ausschüsse des Europäischen Parlaments aufgenommen und im Internet gestreamt werden. Für Lobbyistinnen und Lobbyisten gibt es ein Transparenzregister, über das relevante Informationen und Positionen für jedermann zugänglich sind. Meetings mit hochrangigen Entscheidungsträgerinnen und -trägern wie den Berichterstatterinnen und -erstattern des Europäischen Parlaments oder den EU-Kommissarinnen und -Kommissaren und ihrem Kabinett werden auf den Websites der Institution veröffentlicht. Auf Länderebene gibt es solche Regeln nicht – daher rührt das negative Image.“ Und erneut betont sie, wie wichtig es für die Entscheiderinnen und Entscheider ist, sich über alle Seiten eines Themas zu informieren, über dessen Zukunft sie mit ihrer Stimme entscheiden.

Für uns als Unternehmen ist es aus einem weiteren Grund sinnvoll, in Brüssel vertreten zu sein: KWS ist ebenfalls Mitglied bei Euroseeds, einem Interessenverband der europäischen Saatgutindustrie. Auch dieser Verband setzt sich für unsere Belange ein, und unser Leiter für Nutritional Food Ingredients, Nigel Moore, war lange Jahre Präsident des Euroseeds-Vorstands und ist heute noch Vorstandsmitglied. Mit einer eigenen Stelle für Governmental Affairs können wir uns aber noch unabhängiger positionieren. „So sind wir frühzeitig über neue Entwicklungen informiert und können uns damit auseinandersetzen“, sagt Alessia Cogliandro.

Am Puls der Zeit: Alessia Cogliandro informiert sich frühzeitig über neue Entwicklungen in der EU-Agrarpolitik.

Geteilte Werte

Mit dem Segment kam Alessia Cogliandro erstmals in Berührung, als sie selbst für Euroseeds arbeitete – und der Bereich hat es ihr angetan. „Aber nach einer Weile wollte ich mich beruflich weiterentwickeln und neue Tätigkeiten erlernen – das ist anders als in einer großen Firma.“ Deshalb wechselte sie in eine Beratungsfirma, die Saatgutunternehmen als Kunden hatte. „Wir bekamen Aufträge für wenige Monate und hatten keine Möglichkeit, tief in ein Thema einzutauchen.“ Also wechselte sie erneut – diesmal in ein Unternehmen für Heilpflanzen. „Das hat Spaß gemacht, aber ich wollte zurück in den Saat­gut­sektor.“ KWS kannte sie von einem Besuch mit Euroseeds, sah, dass eine Position für Governmental Affairs ausgeschrieben war, und beschloss, sich zu bewerben. Seit Juni 2021 unterstützt sie nun aus dem Team der Unternehmenskommunikation heraus die politische Positionierung von KWS.

Bei KWS ist sie aus tiefster Überzeugung: „Ich könnte nicht für ein Unternehmen arbeiten, dessen Werte ich nicht teile – es braucht Leidenschaft, um Menschen mit den Aktivitäten eines Unternehmens vertraut zu machen. KWS entwickelt Produkte, die Landwirten helfen, jeden Tag besser zu wirtschaften. Ich muss diese Aspekte mögen, damit meine Botschaft ankommt.“

Alessia Cogliandro erarbeitet eine Transparenzwebsite.

Dass ihre Arbeit fruchtet, merkt Alessia Cogliandro, wenn sich NGOs oder Politikerinnen und Politiker selbstständig zu bestimmten Themen bei ihr melden und in den Austausch gehen wollen. Oder wenn sie über ­PILTON sprechen, an dem KWS beteiligt ist – einem Projekt, das sich mit Pilztoleranz von Weizen mittels neuer Züchtungsmethoden beschäftigt. Auch im Vorschlag der EU-Kommission zu neuen genomischen Techniken erkennt sie Informationen aus der Expertise von KWS sowie die Arbeit mit Euroseeds und den relevanten Stakeholdern – und damit die Wirksamkeit von Governmental Affairs. „Es ist wichtig, dass es uns gibt. Wir sind ein Teil des Puzzles.“ |


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